Heike Wanner / Freie Autorin

 

Mein Schreib-Blog

Dies & Das übers Schreiben,

kleine Anekdoten und

andere bunte Gedanken

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Low Cost Lesevergnügen

Was am Himmel begann, setzt sich jetzt auch auf dem Buchmarkt durch: die Low Coster kommen!
Immer mehr Indie-Autoren veröffentlichen ihre Werke für immer weniger Geld. Ein Ticket Richtung Fantasiewelt ist schon für 99 Cent zu haben. Mit kleinen Nachteilen, die man schon von den Billig-Airlines kennt:
- das Angebot ist nicht überall erhältlich (sondern nur über das Internet),
- jeder Wettbewerber kämpft für sich (keine Verlagsbindung),
- und man muss Abstriche beim Service machen (auf ein professionelles Lektorat wird oft verzichtet).
Aber es gilt der Grundsatz: "You get what you pay for" - und das ist extrem günstiger Lesestoff, für den man gern mal über den einen oder anderen Fehler hinwegsieht. Längst gibt es unzählige Erfolgsgeschichten von Autoren, die auf diese Weise gestartet sind und sich einen Namen gemacht haben. Das sind dann sozusagen die Easyjets und Ryanairs der Buchbranche.
Ich will diese Entwicklung gar nicht verteufeln.
Das Leben ist Veränderung, und man muss sich immer wieder auf alle möglichen neuen Trends einstellen. Auch ich weiß nicht, wohin die Reise geht. Wo meine Bücher in fünf Jahren stehen. Wieviele es geworden sind. Und wie ich sie veröffentlichen werde.
Ich möchte nur eines zu bedenken geben: für einen "mittelmäßigen" Autoren, der nicht auf den Bestseller-Listen zu finden ist, reicht es bald nicht mehr aus, lediglich ein einziges Buch pro Jahr zu schreiben. Erst recht nicht, wenn man vom Schreiben leben muss. Teile ich das Honorar für eines meiner frühen Bücher durch die Anzahl der Stunden, die ich dafür am Schreibtisch gesessen habe, dann komme ich auf einen Stundenlohn von nicht einmal 90 Cent.
Inclusive Nacht- und Wochenendzuschlag.
Ich stelle diese Rechung nicht auf, um Mitleid zu erregen. Es ist schließlich allein meine Entscheidung, dass ich schreibe (und das tue ich nach wie vor sehr gern). Aber ich möchte ein wenig Verständnis wecken für mich und meine Kollegen, weil wir unsere Werke eben nicht für 99 Cent verschleudern wollen. Jeder einzelne von uns schreibt mit viel Liebe und Herzblut - aber davon kann leider niemand seine Miete bezahlen.
Deshalb hier meine drei Bitten an alle Leser:
1. Seid wählerisch und findet die richtige Mischung zwischen Gut und Günstig!
2. Bleibt fair! Qualität in Form eines Lektorates kostet nun mal ein wenig mehr.
3. Verschenkt ab und zu mal ein "richtiges" Buch! Nichts ist so schön wie die Vorfreude auf eine tolle Geschichte, vermischt mit dem Duft des frisch bedruckten Papiers und dem raschelnden Geräusch, wenn man mit den Fingern über die Seiten streicht.
In diesem Sinn: Fasten your seatbelts, die Reise geht weiter ... 
(22.05.2017)

 

Die großen und kleinen Helferlein

Eine meiner liebsten Aufgaben ist es, mich am Ende einer Geschichte bei den Menschen zu bedanken, die mir bei der Entstehung des Buches geholfen haben.
Meistens sieht der Leser ja nur den Namen, der vorne auf dem Cover steht. Von den vielen kleinen und großen Helfern, die so ein Buch erst ermöglichen, bekommt er nichts mit.
Schade eigentlich.
Denn das sind lauter nette Menschen, die verdammt viel von ihrem Handwerk verstehen. Die Verlags-Lektorin zum Beispiel, die eine Engelsgeduld mit ihren Autoren hat und immer da ist, wenn man sie braucht. Die Leute aus dem Vertrieb, die sich darum kümmern, dass sich ein Buch auch verkauft. Die Grafiker, die sich mit mir über das Cover streiten. Die Außen-Lektorin, die bestimmte Textstellen so lange mit mir durchkaut, bis wir alle zufrieden sind. Oder die Kollegen, die sich um Presse, Marketing und Abrechnung kümmern.
Sie alle sorgen dafür, dass aus einer winzigen Idee ein echtes Buch werden kann.
Und dann gibt es da noch die anderen "Helferlein", die nicht aus der Buchbranche kommen, die aber genauso wichtig sind.
Die Ratgeber und Testleser.
Wer schreibt, landet irgendwann bei Themen, von denen er nicht viel versteht. Natürlich kann man sich dann theoretisches Wissen aus dem Internet zusammengoogeln. Oder aber (viel besser!) man sucht sich Ansprechpartner aus Fleisch und Blut - Leute, die Fragen beantworten, Tipps geben und auch mal die eine oder andere Stelle probelesen. Auf diese Weise habe ich tolle Menschen kennengelernt, die mit ihrem Input viel dazu beigetragen haben, dass meine Geschichten authentisch sind.
Dass man sie gerne liest, das habe ich vor allem meinen Testleserinnen zu verdanken. Sie lesen sich tapfer durch mehrere Rohfassungen meiner Manuskripte, inclusive aller Stilblüten und Fehler.
Ihre  Kritik gibt mir die Möglichkeit, besser zu werden.
Und ihre Begeisterung treibt mich an.
Wenn ich könnte, würde ich alle diese Leute vorne mit aufs Cover schreiben, angefangen von der Lektorin bis hin zur Testleserin.
Weil sie es alle verdient haben.
Da das nicht geht, bleibt mir nur, immer wieder ganz herzlich "Danke" zu sagen.
Ohne Euch geht gar nichts!
(22.04.2017)


Vom Genre-Wechsel ... oder:
Ich kann auch anders!

Das Leben ändert sich.
Und wir ändern uns mit.
Dinge, die mir jahrelang Spaß gemacht haben, gehen mir plötzlich nicht mehr so leicht von der Hand. Dafür reizen mich auf einmal andere Themen.
Auch schreib-technisch.
Fast zehn Jahre lang habe ich heitere Frauenbücher geschrieben, und das habe ich wirklich gern gemacht. Jetzt aber brauche ich erst einmal eine kleine Pause von diesem Genre. Muss Luft schöpfen, den Kopf frei kriegen und meinen Akku wieder aufladen.
Aber ganz ohne Schreiberei geht es natürlich auch nicht!
Und deshalb starte ich jetzt etwas Neues.
Zum ersten Mal seit vielen Jahren hatte ich in den letzten Monaten das Gefühl, dass eine Geschichte in mir ist, die unbedingt erzählt werden muss - etwas ganz anderes als das, was ich bislang veröffentlicht habe.
Ich habe diese Story "rausgelassen", ganze Nächte am PC verbracht und war mir irgendwie sicher, das Richtige zu tun. Auch wenn das, wie ich schnell feststellen musste, nicht überall auf Begeisterung stieß.
Hat man erst einmal eine "Marke", so ist es schwer, sich von dieser zu lösen. Das ist aus Sicht der Verlage ja auch verständlich. Wer will schon seine Leser verwirren?
Trotzdem.
Als Autorin ärgert und enttäuscht mich dieses Genre-Denken. Ich bin viel mehr als eine Marke. Ich kann mehr. Ich kann anders.
Und ich weiß, dass ich nicht die einzige bin.
Da draußen sitzen Dutzende von Drama-Queens, die auch mal einfach nur lustig sein wollen. Historienroman-Schreiberinnen, die gern mal einen Mord begehen würden. Oder Krimi-Autorinnen, die unbedingt ein Kinderbuch veröffentlichen wollen.
Bei diesem Wunschdenken muss es zum Glück nicht bleiben. Denn der Buchmarkt bietet heutzutage unendlich viele Möglichkeiten, seine Ideen auch in die Tat umzusetzen. Deshalb bin ich mir sicher, dass wir in Zukunft immer mehr Autoren erleben werden, die mehr als ein Genre bedienen.
Ich bin gespannt.
Und ich freue mich darauf!
(30.03.2017)

 

Die Sache mit den Sternen 2 ...
oder: nicht jedem schmeckt alles

Die ersten Tage nach Erscheinen eines neuen Buches sind für mich immer extrem aufregend. Ich hänge alle paar Minuten im Internet, um ja nicht die erste Rezension zu verpassen.
Denn es ist eine Sache, wenn einem Freunde und Verwandte nach dem Testlesen versichern, dass das Buch ganz toll geworden ist. Das müssen sie machen, das gehört praktisch zu ihrer Job-Beschreibung dazu.
Etwas völlig anderes ist es, wenn wildfremde Menschen das tun.
Eine positive Rezension verschönert meinen Tag. Sie ist wie ein wunderbares Kompliment, von dem ich gar nicht genug bekommen kann. Denn Schreiben ist im Grunde eine sehr einsame Tätigkeit. Es kommt selten jemand vorbei und sagt, wie toll er alles findet, was ich zu Papier bringe.
Umso wichtiger ist deshalb jede Rückmeldung meiner Leser.
Aber was ist, wenn dieses Feedback mal negativ ausfällt?
Dann bin ich wütend und frustriert. Frage mich, ob mein Kritiker überhaupt weiß, wieviel Arbeit so ein Manuskript macht. Schicke in Gedanken ein verärgertes "Schreib' du doch selbst erst mal ein Buch!" hinterher. Und beruhige mich irgendwann doch wieder.
Denn auch das gehört dazu, wenn man seine Phantasie in Worte fasst, mit verschiedenen Ideen würzt und so lange köcheln lässt, bis man mit dem Ergebnis zufrieden ist: Man muss damit leben können, dass diese Mischung nicht jedem schmeckt. 
Meistens gelingt mir das ganz gut.
Ich weiß, dass mich nicht jeder für einen Meisterkoch hält. Aber mein kleines Lese-Restaurant ist trotzdem gut gefüllt.
Es gibt allerdings einen Fall, der mich immer wieder zuverlässig zur Weißglut bringt. Nämlich dann, wenn ein Leser gleich zu Beginn seiner Rezension klarstellt, dass er solche Geschichten wie meine eigentlich gar nicht mag, sondern lieber Krimis oder Historien-Romane oder sonstwas liest. Um im weiteren Verlauf seiner Bewertung alles schlecht zu machen, was ihm in den Sinn kommt.
Da frage ich mich jedes Mal: warum hat er das Buch überhaupt gelesen? Und wieso muss er seine Meinung kundtun? Das ist doch genauso, als ob jemand, der keinen Fisch mag, eingelegte Heringe probiert. Und sich danach lautstark über den Geschmack beschwert.
Nichts gegen den Versuch, seine Vorlieben ab und zu infrage zu stellen, Geschmäcker können sich schließlich ändern. Aber dabei bitte fair bleiben! Sonst verderben solche Rezensionen nämlich nicht nur den anderen Lesern den Appetit, sondern auch den Autoren die Lust aufs Kochen ...
(15.03.2017)

 

Die Sache mit den Sternen

Rezensionen sind extrem wichtig für uns Autoren. Fallen sie gut aus, ist unser Tag gelaufen. 
Sind sie schlecht, leider auch.
In letzter Zeit kommt es mir jedoch so vor, als ob die Bereitschaft, Rezensionen zu schreiben, abgenommen hat. Verlage und Autoren versuchen, mit allen möglichen Mitteln gegenzusteuern. Da werden Bücher verlost, Leserunden veranstaltet, oder man darf den neuen Roman seiner Lieblings-Autorin  vorablesen. Alles tolle Aktionen.
Aber helfen sie?
Ich sehe immer wieder Beiträge von Autoren-Kollegen auf Facebook, die sich darüber wundern dass ihr neu erschienenes Buch auch nach mehreren Wochen noch keine einzige (!) Amazon-Rezension aufweist.
Wohl gemerkt: Ich rede hier nicht von den Bestseller-Autoren, denn die brauchen sich diese Sorgen nicht zu machen. Ihre Bücher sind Selbstläufer, gute Rezensionen deshalb reichlich vorhanden.
Nein, ich spreche für die vielen kleinen Fische im Teich, die ganz aufgeregt umherschwimmen und auf die ersten Rezensionen warten. Bitte, liebe LeserInnen, lasst uns nicht so zappeln! Gönnt uns hin und wieder auch ein paar Sterne!
Wir brauchen sie.
Fürs Ego.
Zum Seele-Streicheln.
Und - last but not least - auch als Verkaufsargument.
Denn in Zeiten, wo man sich schon längst nicht mehr nicht nur auf den persönlichen Tipp seiner Buchhandlung verlässt, helfen gute Rezensionen bei der Kaufentscheidung.
Wenn Ihr also das nächste Mal ein gutes Buch in der Hand haltet, dann denkt doch bitte mal über das Schreiben einer Rezension nach! Es muss gar kein Schul-Aufsatz mit ausführlicher Inhaltsbeschreibung & Analyse werden (obwohl Ihr natürlich auch das machen dürft - ich lese solche langen Bewertungen immer echt gern). Ein kurzer Text mit Begründung, warum Euch die Geschichte gefallen hat, reicht völlig aus. Autoren, Verlage und LeserInnen werden es euch danken.
(23.02.2017)

 

Golden Girl mit XXL Flausen

Sie hat sich leise angeschlichen, jetzt aber steht sie vor der Tür, und Ende Mai muss ich sie hereinlassen: die große 5 vor der Null.
"In der Mitte des Lebens", "ein halbes Jahrhundert", "2. Lebenshälfte" und so weiter - ich kenne diese Sprüche alle. Und mag sie nicht. Natürlich nicht! Wer findet es schon toll, wenn über sein Alter Witze gemacht werden?
Ja, ich bin bald 50.
Meine Haare sind grau, die Falten kommen mit aller Wucht, ich kann das Kleingedruckte nicht mehr lesen und mein Gewicht nur mit Mühe halten. Ich wühle mich verschämt durch die Angebote "Ab Größe 42", während nebenan ein paar junge Frauen mühelos T-Shirts in Größe XXS anprobieren.
Sie müssen gar nichts tun, um hübsch auszusehen. Sie sind es einfach.
"Mensch, Jessie!", sagt das eine Mädchen in diesem Moment zu ihrer Freundin. "Du hast überhaupt keinen Plan, oder?"
"Nö. Du?"
Ich weiß nicht, worüber die beiden reden. Aber ich hätte große Lust, ihnen zu versichern, dass sie auch gar keinen Plan brauchen. Denn das Leben macht sowieso, was es will. Es überrascht uns mit Lachen, Weinen, Liebe, Streit, Erfolg oder Misserfolg.
Woher ich das weiß?
Weil ich ihnen etwas voraushabe. Nämlich das große Glück, alle diese Erfahrungen schon seit 50 Jahren sammeln zu dürfen. Und ich hoffe, es kommen noch viele, viele weitere Jahre hinzu. Aber das geht natürlich nicht ohne die Begleiterscheinungen, die das Älterwerden nun mal mit sich bringt.
So what?
Es gab eine Zeit, da passte auch ich in XXS. Eine wunderschöne Zeit, ich denke noch gern daran zurück. Jetzt ist daraus ein M geworden (okay, vielleicht auch schon ein L). Ich kann das nicht ändern, und ich muss auch nicht alles toll finden, was gerade mit meinem Körper passiert.
Trotzdem.
Ich bin dankbar für jedes einzelne Jahr. Und ich freue mich auf jedes, das noch kommt. Weil mein Kopf immer noch voller Pläne und Ideen steckt.
Nein, ich bin kein XXS Girlie mehr.
Aber als Golden Girl mit XXL Flausen im Kopf lebt es sich auch ganz gut!
(19.02.2017)

 

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